Ein Abstieg von der strahlenden Propaganda-Fassade zur verborgenen Realität der NS-Diktatur – und zu den Menschen, die sich widersetzten.
Diese Seite soll einen digitalen Museumsgang darstellen:
Je weiter du scrollst, desto mehr siehst du hinter die Fassade. Die Farben wechseln, der Ton wird kälter. Die Wahrheit tritt hervor.
Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin waren kein harmloses Sportereignis. Sie waren eine perfide Inszenierung der NS-Diktatur. Während die Welt applaudierte, wurden Menschen verfolgt, ausgeschlossen und ermordet.
Diese Seite soll die Geschichten von damals näherbringen.
Berlin 1936: Mit einem Aufwand, der alles Dagewesene übertraf, wurden die XI. Olympischen Sommerspiele zu einem globalen Schaufenster. Über 42 Millionen Reichsmarkⓘ investierte das Regime in Stadion, Infrastruktur und Inszenierung. Ein friedliches Deutschland präsentierte sich der Welt.
Berlin 1936: Während du deine Koffer packst, weißt du genau – du wirst in einem Land antreten, das Menschen wie dich offiziell als minderwertig einstuft. Aber die Welt schaut zu. Vielleicht rettet dein Erfolg deine Familie? Vielleicht beweist du das Gegenteil? Du trittst an – mit der Angst im Nacken.
Berlin 1936: Endlich die große Bühne! Der Führer hat persönlich 42 Millionen Reichsmark bewilligt. Das Reichssportfeld wird die Welt in Ehrfurcht erstarren lassen. Keiner soll uns mehr als Kriegstreiber sehen. Nach den Spielen werden sie alle glauben: Deutschland ist eine friedliche, starke Nation.
49 Nationen, über 3.963 Athleten, Milliarden von Menschen, die erstmals über Live-Fernsehen zuschauten.ⓘ Die Welt sollte ein friedliches, weltoffenes Deutschland sehen — und sah es.
Weiter zu RiefenstahlMehr als je zuvor — Beweis für Deutschlands diplomatische „Normalität".
Darunter erstmals 331 Frauen — für das NS-Regime ein propagandistischer Nebenaspekt.
Das größte Stadion der Welt (nach zeitgenössischen Angaben)ⓘ — Monument der Macht, nicht des Sports.
Die ersten Live-TV-Übertragungen der Geschichteⓘ — Technik im Dienst der Propaganda.
Leni Riefenstahls zweiteiliger Film „Olympia" (1938) setzte neue kinematographische Maßstäbe: Unterwasser-Zeitlupenkameras, Aufnahmen aus Kameraballons, Fokus auf helle, muskulöse Körper.
Das Ergebnis war kein Sportfilm — es war eine visuell gewaltige Propagandamaschine, die noch Jahrzehnte die Bildsprache des Sports prägte und die Bildästhetik faschistischer Regime definierte.
Der "Unserbliche Marathon" von 1936 – Einblicke in die monumentale Inszenierung.
Quelle: 1936 Unsterbliches Marathon, Internet Archive / Public Domain
Zur kritischen Einordnung des Films empfiehlt sich die Analyse der Bundeszentrale für politische Bildung — Dossier Olympia 1936 (externe Bildungsressource).
„Ich wollte die Schönheit des Kampfes zeigen."— Leni Riefenstahl, Regisseurin „Olympia" (1936)
In Wirklichkeit: Ein staatlich finanzierter Propagandaauftrag mit 1,5 Millionen Reichsmark Budget und 45 Kameraleuten.ⓘ Riefenstahl hatte direkten Zugang zu Hitler.
Weiter zum DRL-BriefRekonstruktion eines historischen Dokuments auf Basis von Quellen.
An das Organisationskomitee
der XI. Olympischen Spiele
Betreff: Endgültige Auswahlliste — Leichtathletik, Frauen
Sehr geehrte Herren,
nach eingehender Prüfung der sportlichen Leistungen und unter Berücksichtigung der rassischen Grundsätze des nationalsozialistischen Staates wurde die Auswahlliste wie folgt bereinigt.
Die Athletin G. Bergmann (Hochsprung) hat zwar die geforderte Norm erfüllt, wird jedoch aufgrund ihrer jüdischen Abstammung nicht für den olympischen Kader berücksichtigt. Als Ersatz wurde die Athletin D. Ratjen nominiert.
Es wird darum gebeten, gegenüber ausländischen Pressevertretern ausschließlich sportliche Gründe für diese Entscheidung anzuführen.
Mit deutschem Sportgruß
Hans von Tschammer und Osten
Reichssportführerⓘ
Dieser Brief ist ein rekonstruiertes Dokument auf Basis historischer Quellen. Die Athletin Dora Ratjen wurde später als intersexuell erkannt — auch ihre Teilnahme war Teil eines Systems der Menschenverachtung.
Weiter zu Kapitel II – Die RealitätBewege den Regler, um zwischen den zwei Realitäten des Sommers 1936 zu wechseln.
Das Olympiastadion — 150.000 Zuschauer (nach zeitgenössischen Angaben), Fahnenmeer, perfekte Choreographie. Ein Bild, das um die Welt ging.
Das Zwangslager Marzahn — 8 km entfernt. Ohne Sanitäranlagen, ohne Anklage. Für viele der erste Schritt nach Auschwitz.
Während die Stadien jubelten, arbeiteten die Staatsorgane systematisch an der Ausgrenzung und Vernichtung all jener, die nicht in das rassistische Weltbild passten.
„Die Spiele müssen stattfinden. Deutschland muss der Welt zeigen, dass wir ein normales Land sind."— Joseph Goebbels (sinngemäß, Juli 1936)Weiter zu den Ausgestoßenen
Klicke auf die Markierungen, um zu erfahren, was an jedem Ort im Sommer 1936 geschah.
Historischer Stadtplan Berlin 1936 (Quelle: Stadtmuseum Berlin, bearbeitet)

Deutschlands beste Hochspringerin 1936. Jüdisch. Ausgeschlossen.
Sechs Athletinnen und Athleten, deren Namen die offizielle Olympia-Geschichte tilgte oder vereinnahmte. Jeder steht für ein System der Verfolgung – und manche für dessen Ambivalenz.
Berufsboxer, Sinto. 1933 Deutscher Meister im Halbschwergewicht. Der Titel wurde ihm aus rassischen Gründen aberkannt. 1944 im KZ erschlagen.
„Sie sagten, ich boxe zu undeutsch. Dabei war es mein größter Sieg."
Ringer, Kommunist, Olympiateilnehmer 1936. Nutzte Sportreisen für konspirative Treffen. 1942 verhaftet, 1944 hingerichtet.
„Sie fürchteten meine Kraft – und sie fürchteten meine Worte."
Leichtathletin, Weltrekordlerin im Kugelstoßen und Diskus. Aus dem Sport ausgeschlossen, 1942 ins Ghetto Riga deportiert und ermordet.
„Meine Rekorde durften bleiben. Ich nicht."
Olympiasieger im Fechten 1896, Silber im Schwimmen — einziger Olympiamedaillengewinner, der im Holocaust ermordet wurde. 1942 als Jude deportiert.
„Ich gab dem Sport mein Leben – der Sport gab mich preis."
Sprinterin und Hochspringerin, Berliner Vereinsmehrkämpferin. Wegen jüdischer Abstammung 1933 von Wettkämpfen ausgeschlossen. 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.
„Vom Berliner Sportplatz in den Viehwaggon."
Fechterin jüdischer Herkunft, gewann Silber im Florett 1936 für Deutschland. Zeigte den Hitlergruß – eine ambivalente Figur zwischen Anpassung und Überleben.
„Ich wollte nur fechten. Die Politik habe ich nicht bestimmt."
Ich sah diesen unglaublichen Läufer – vier Goldmedaillen! Manche tuschelten, Hitler habe ihm nicht gratuliert. Aber ehrlich, die Stimmung im Stadion war so euphorisch, dass ich dachte: Das ist doch nur eine Randnotiz. Sport verbindet. Oder?
Ich gewann viermal Gold, und die Menge jubelte. Aber zurück in den USA werde ich durch den Hintereingang müssen. Der Nazi-Führer hat mir zugewinkt – mein eigener Präsident hat mir nicht einmal gratuliert. Wer ist hier eigentlich das Problem?
Dieser Owens ist eine Peinlichkeit. Vier Siege eines Schwarzen vor den Augen der Welt – das untergräbt unsere gesamte Rassenlehre. Aber wir haben Glück: Die Amerikaner behandeln ihn zu Hause schlechter, als wir es je könnten. Die Heuchelei der Demokratien ist unser bestes Argument.
Hitler hatte auf IOC-Empfehlung das öffentliche Gratulieren eingestellt. Owens selbst sagte: „Hitler hat mir zugewinkt." US-Präsident Roosevelt hingegen schickte weder Brief noch Telegramm.
In den USA galt für Owens als Schwarzen weiterhin die Rassentrennung. Beim Festempfang im Waldorf-Astoria musste er durch den Hintereingang.
Owens sagte später: „Hitler hat mich nicht beleidigt — aber mein eigener Präsident hat mich nicht beglückwünscht."
Roosevelts Schweigen war kein Zufall: 1936 war Wahljahr, und der Präsident fürchtete die Stimmen der Südstaaten-Demokraten, die die Rassentrennung verteidigten.
Weiter zu Marzahn
So nah war das Zwangslager Marzahn — während die Welt applaudierte.
600–800 Sinti und Roma — Familien, Kinder, ältere Menschen — verhaftet ohne Anklage. Keine Sanitäranlagen, kaum Nahrung.
Ich wusste nichts von einem Lager. In den Zeitungen stand nichts, und die Berliner, mit denen ich sprach, zuckten nur mit den Schultern. Die Spiele waren so überwältigend – wer hätte da nachfragen sollen?
Sie kamen in der Nacht. Wir durften fast nichts mitnehmen. Die Stadt wollte „sauber" sein, sagten sie. Für die Gäste. Dabei waren wir doch auch Berliner.
Eine notwendige Ordnungsmaßnahme. Die internationalen Gäste sollen ein gepflegtes Stadtbild sehen. Diese Leute sind ohnehin eine Belastung – hygienisch und rassisch. Nach den Spielen kann man weitersehen.
Du bist Trainer der deutschen Leichtathletik, August 1936. Bergmann hat die Norm erfüllt. Du weißt den wahren Grund ihrer Nicht-Nominierung. Dein Chef wartet auf deine Unterschrift.
In vielen Ländern gab es intensive Debatten über einen Boykott. Jüdische Sportverbände und linke Organisationen forderten die Absage — und scheiterten.
Denkbar knapp für die Teilnahme. Die engste sportpolitische Entscheidung des 20. Jahrhunderts.
Das IOC unter Avery Brundage bestätigte Deutschlands „Regelkonformität".
Keine einzige westliche Demokratie wählte den Boykott.
Sie sind IOC-Mitglied, Juli 1936. Sie kennen die Berichte über Verfolgung. Sie müssen abstimmen.
Historiker diskutieren: Ein US-Boykott hätte wahrscheinlich das IOC-Gesicht gewahrt und andere Demokratien zum Nachzug bewegt. Das NS-Regime wäre international isoliert worden. Der Propagandacoup von 1936 wäre misslungen — möglicherweise mit Auswirkungen auf das internationale Ansehen Deutschlands. Aber die systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung lief bereits auf Hochtouren.
„Sport und Politik sollen getrennt sein" — dieser Satz wurde 1936 zur Waffe. Er schützte nicht die Athleten. Er schützte das Regime.— Historische AnalyseWeiter zu internationalen Stimmen
Nicht nur in den USA wurde diskutiert. Auch in Europa gab es Boykottbewegungen — und Medien, die die Wahrheit berichteten. Doch sie blieben in der Minderheit.
„Wir dürfen nicht in ein Land reisen, das unsere Glaubensbrüder verfolgt."
„Die Olympischen Spiele sind zu einem großen Nazi-Fest geworden. Die Demokratien schweigen."
„Das schwedische NOK stimmte mit großer Mehrheit für die Teilnahme — trotz aller Warnungen."
„Frankreich erwägt eine Volksolympiade in Barcelona als Gegenentwurf — doch der Bürgerkrieg verhindert sie."
„Wir müssen die Spiele nach Berlin verlegen? Das ist, als würde man ein Fest im Haus eines Mörders feiern."
„Die Exilpresse berichtete detailliert über die Verfolgung. Die Weltpresse ignorierte es."
Klicke auf die Plakate, um die manipulativen Elemente aufzudecken.



Während die Opfer keine Wiedergutmachung erfuhren, setzten viele Verantwortliche ihre Karrieren fort.
Erfinder des Fackellaufs, Organisator der Spiele 1936. Nach 1945: Sportdirektor in Köln, NOK-Mitglied, Gründer des Deutschen Sportbundes. Keine strafrechtliche Verfolgung.
IOC-Mitglied, das 1936 den Ausschluss jüdischer Athleten leugnete. Blieb IOC-Präsident bis 1972. Verhinderte eine Absage der Spiele 1972 nach dem Münchner Attentat („The Games must go on").
Regisseurin von „Olympia". Wurde als „Mitläuferin" eingestuft, erhielt keine Regieaufträge mehr in Deutschland, blieb aber international anerkannt. Veröffentlichte Bildbände ohne öffentliche Reue. Starb 2003.
Reichssportführer, unterzeichnete den Ausschlussbrief an Bergmann. Verfolgte jüdische Sportler systematisch. Starb 1943 an Typhus — entging somit der juristischen Aufarbeitung.
„Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben — aber die Sportgeschichte hat die Verlierer lange vergessen."— Ein KommentarWeiter zu den Stimmen der Zeit
„Hitler hat mich nicht beleidigt — aber mein eigener Präsident hat mich nicht beglückwünscht."
„Die Spiele finden statt. Deutschland muss der Welt zeigen, dass wir ein normales Land sind."
„Sie haben mir eine Art Bestätigung gegeben, dass ich zu Deutschland gehöre — und gleichzeitig bewiesen, dass ich das nicht tue."
„Die Olympischen Spiele können nicht in einem Land stattfinden, in dem Mitglieder unserer Sportverbände allein aufgrund ihrer Rasse disqualifiziert werden."
„Ich wollte die Schönheit des menschlichen Körpers in Bewegung zeigen — nichts weiter."
„Wir haben die Welt belogen. Und die Welt hat es gerne geglaubt."
„Meine Rekorde durften bleiben. Ich nicht."
„Wir dürfen nicht in ein Land reisen, das unsere Glaubensbrüder verfolgt."
„Sport und Politik sollen getrennt sein — dieser Satz wurde 1936 zur Waffe. Er schützte nicht die Athleten. Er schützte das Regime."
„Ich gab dem Sport mein Leben — der Sport gab mich preis."
„Der olympische Geist verlangt, dass wir uns nicht in die Innenpolitik eines Gastgeberlandes einmischen."
„Die Täter waren viele. Aber die Zuschauer waren noch mehr."
Für alle, die 1936 aus dem Bild verschwinden sollten — und aus der Geschichte gestrichen wurden.
Johann „Rukeli" Trollmann war ein Sinto und Berufsboxer — 1933 wurde ihm der Deutsche Meistertitel aberkannt. Er wurde 1944 im KZ Neuengamme ermordet. Werner Seelenbinder, Ringer und antifaschistischer Widerstandskämpfer, wurde 1944 hingerichtet. Otto Herschmann, Olympiasieger 1896, ist der einzige Olympiamedaillengewinner, der im Holocaust ermordet wurde.
Alfred und Gustav Felix Flatow gewannen bei den ersten modernen Olympischen Spielen 1896 in Athen Goldmedaillen für Deutschland. 46 Jahre später wurden sie als Juden deportiert und ermordet. Ihr Fall zeigt, wie tief Undankbarkeit und Menschenverachtung des NS-Regimes reichten.
Die Flatow-Brüder standen nicht am Rand der deutschen Sportgeschichte — sie standen ganz oben. Ihre Goldmedaillen von 1896 waren Deutschlands erstes olympisches Kapitel. Das NS-Regime löschte sie aus dieser Geschichte aus, während es die Olympische Idee 1936 für sich vereinnahmte.
Stolpersteine sind kleine Messingplatten, die vor letzten freiwilligen Wohnorten von NS-Opfern in den Boden eingelassen werden. Initiiert vom Künstler Gunter Demnig. Heute gibt es über 100.000 Stolpersteine in 26 Ländern — das größte dezentrale Denkmal der Welt.
Du bist Sportjournalist für eine Berliner Zeitung, August 1936. Dein Chefredakteur befiehlt dir, die Sieger der Olympiade zu feiern — ohne die Ausschlüsse jüdischer Athleten zu erwähnen. Was schreibst du?
Historische Entscheidungen wurden von echten Menschen getroffen. Hinter jedem politischen Ereignis stehen individuelle Weichen. Drei weitere Situationen:
Du bist Berliner Nachbar einer jüdischen Familie, die du gut kennst. Die Gestapo hat sie auf eine Liste gesetzt. Du könntest sie warnen — aber es besteht großes Risiko für dich. Was tust du?
Du bist Mitglied einer ausländischen Olympia-Delegation. Dein Teamkollege hat Beweise für das Zwangslager Marzahn. Die Heimat schaut auf eure Medaillen. Was empfiehlst du?
Du bist Athlet und weißt, dass dein jüdischer Teamkollege grundlos nicht nominiert wurde. Kurz vor der Eröffnung hast du die Chance, öffentlich Protest zu äußern. Was tust du?
„Die Täter waren viele. Aber die Zuschauer waren noch mehr."— Primo Levi (sinngemäß)
Zehn Aussagen. Manche klingen wahr — manche sind es. Kannst du die Fassade von der Realität unterscheiden?
1936 ist kein Einzelfall. WM 2022 Katar, Olympia 2022 Peking — dieselbe Logik der Imagepolitur durch Sport.
Gretel Bergmann, Rukeli Trollmann, die Familien aus Marzahn. Ihre Stimmen wurden systematisch zum Verstummen gebracht.
Die Neutralitätsbehauptung diente 1936 dem Regime als Schutzschild. Auch heute wird sie missbraucht.
Das Gretel-Bergmann-Stadion ist eine späte, aber kraftvolle Antwort auf das Vergessen. Erinnerung braucht Orte.
Owens' Siege, heimliches Brot am Zaun, die Boykottbewegung – Menschlichkeit kann in dunkelsten Zeiten bestehen.
„Wenn Sport nie unpolitisch ist — wie politisch ist unser eigenes Schweigen?"
Die Logik von 1936 lebt fort. Autoritäre Staaten nutzen Sportgroßereignisse, um ihr internationales Image zu polieren — während grundlegende Missstände fortbestehen. Eine Gegenüberstellung.
NS-Regime inszeniert sich als friedliebend. Antisemitische Schilder werden temporär entfernt. Sinti und Roma ins Lager Marzahn deportiert. Welt applaudiert.
Muster: Schilder weg, Lager raus, Kamera drauf.
Kurz vor den Spielen: Aufstandsniederschschlagung in Tibet. Menschenrechtler unter Hausarrest gestellt. Internationale Kritik weitgehend ignoriert. Mediale Inszenierung gefeiert.
Muster: Spektakel überstrahlt Kritik.
Tausende Gastarbeiter sterben auf Baustellen. LGBTQ+-Rechte kriminalisiert. FIFA vergibt Vergabe trotz Korruptionsvorwürfen. Großes Turnier, globales Publikum, Business as usual.
Muster: Sportliche Bühne verschleiert strukturelle Gewalt.
Olympia mitten in der Unterdrückung der Uiguren in Xinjiang. Diplomatische Boykotts einiger Länder — ohne Wirkung. Athleten zur Selbstzensur angehalten.
Muster: Olympischer Frieden als Schutzschild.
"Sport reinigt keine Regime. Sport lenkt von ihnen ab — solange wir zuschauen."— Zeitgenössische EinschätzungWeiter: Was danach geschah
Die Olympischen Spiele endeten am 16. August 1936. Was danach geschah, zeigt: Die Fassade war nicht nur Propaganda — sie hatte reale Konsequenzen für alle Beteiligten.
Emigrierte 1937 in die USA. Heiratete, wurde Ärztin. Kehrte erst Jahrzehnte später nach Deutschland zurück. Erlebte 2009 die Benennung des Berliner Stadions nach ihr. Starb 2017 in New York — 103 Jahre alt.
Kehrte in die USA zurück, wurde durch den Hintereingang geführt. Arbeitete als Füllstationsbesitzer, Moderator, später als Botschafter für Jugend und Sport. Erhielt 1976 die Presidential Medal of Freedom. Starb 1980.
Denazifizierungsverfahren: Einstufung als „Mitläuferin". Keine Gefängnisstrafe. Jahrzehntelange internationale Karriere als Fotografin (Nuba-Fotos). Bestritt bis zu ihrem Tod 2003 politische Mitverantwortung.
Ohne Konsequenzen. Gründete 1947 die Deutsche Sporthochschule Köln, deren erster Rektor er wurde. Blieb prägend für den deutschen Nachkriegssport. Starb 1962 in Köln.
Wurde 1952 IOC-Präsident. Führte das Amt bis 1972 aus — und verweigerte auch nach dem Attentat von München die Unterbrechung der Spiele. Starb 1975 ohne öffentliche Reue.
Die meisten Inhaftierten wurden ab 1943 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Nur ein Bruchteil überlebte. Viele Schicksale blieben undokumentiert. Eine Gedenkstätte in Berlin-Marzahn erinnert heute an sie.
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